Bürgerinitiative gegen eine Fichtelgebirgsautobahn

Keine B 303 neu durch das Fichtelgebirge!

Home
News
Die BI
Presse

Anlässlich des Besuchs von Herrn Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee beim Vogtlandfest der SPD in Posseck überreichte die Sprecherin der Bürgerinitiative gegen die Fichtelgebirgesautobahn Sandra Krause dem zuständigen Fachminister eine Resolution >>Keine B 303 neu durch das Fichtelgebirge<<, und erläuterte Herrn Minister Tiefensee den Standpunkt der BI.

Keine B 303 neu durch das Fichtelgebirge

Die Bürgerinitiative gegen die Autobahn durch das Fichtelgebirge vertritt über 30.000 Menschen, die den Kampf gegen die Autobahn durch das Fichtelgebirge mit ihrer Unterschrift unterstützt haben.

Es gibt drei wesentliche Gründe für unsere Ablehnung der Projekte BY7616 und BY7617 in der Anlage zum Fernstraßenausbaugesetz:

Für B 303 neu besteht kein Bedarf

Die vorliegenden Verkehrszahlen rechtfertigen keinen Autobahnbau

Auf der B303 alt hat – entgegen aller Prognosen – die Verkehrsbelastung seit 1993 um mehr als 25 % abgenommen. An der automatischen Zählstelle westlich von Bischofsgrün fuhren 2005 täglich 5950 Kfz (DTV). (Siehe Anlage 1. Quelle Straßenverkehrszählung). Im Scheitelpunkt des Fichtelgebirges liegt der Wert bei lediglich knapp 5000 Kfz.


Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee mit Sandra Krause,
Sprecherin der BI gegen eine Fichtelgebirgsautobahn

Das Fichtelgebirge ist durch Autobahnen bestens erschlossen

Von jedem Ort im Fichtelgebirge sind in einer Fahrzeit von 10 bis 20 Minuten die drei bestehenden Autobahnen A9, A93 und A72 erreichbar. (Anlage 2, Quelle Preparity Studie 2001, Teilprojekt D9)

Eine Verteilung des Verkehrs wäre effektiver als eine Bündelung

Im Fichtelgebirge gibt es drei West-Ost-Bundesstraßen (B289, B303, B22), die derzeit bereits punktuell ausgebaut und optimiert werden. Bei den geringen Verkehrsstärken wäre eine Verteilung des Verkehrs auf diese bestehenden Straßen in der Wirkung einer neuen Verbindung nahezu ebenbürtig, bei wesentlich geringerem Investitionsaufwand (Quelle: Verkehrswirtschaftliche Untersuchung Fichtelgebirge)

Güter auf die Schiene statt die Straße

Die Bahnstrecke Nürnberg-Marktredwitz-Prag muss ausgebaut und elektrifiziert werden. Im Bundesverkehrswegeplan ist diese Maßnahme im vordringlichen Bedarf eingetragen, und sieht das bereits vor, und sie befindet sich unter den prioritären Projekten des TEN-T der EU. Güterbeförderung auf der Schiene und die durchgehende Fertigstellung der A6 führen zu einer weiteren Verringerung des Verkehrs im Fichtelgebirge.

Die B 303 neu ist wirtschaftlich sinnlos

Die Formel „Autobahn=Aufschwung=Arbeitsplätze“ ist falsch.

Der BAB-Ausbau ist laut Aussagen der Wirtschaft ein herausragender Standortfaktor – diese Tatsache wird durch die vorliegende Fachliteratur nicht gestützt. Durch die Autobahnerreichbarkeit erhöht sich der Konkurrenz- und Rationalisierungsdruck auf die regionale Wirtschaft. Die Wettbewerbsfähigkeit steigt tendenziell zu Lasten von Arbeit und Beschäftigung. Regionale Firmen verlassen ihre bestehenden Standorte und lassen sich rationalisiert und „personalbereinigt“ in Autobahnnähe nieder. Die regionalwirtschaftlichen Impulse für das Fichtelgebirge durch eine neue Autobahn sind daher als sehr gering einzuschätzen.

Verbesserung der Erreichbarkeit zieht Kaufkraft ab.

In peripheren Regionen führt die bessere Anbindung zur Erleichterung des Auspendelns der Arbeitnehmer. Dies führt schließlich zu einer vom Wohnstandort fast unabhängigen Arbeitsplatzwahl. Tages- oder Wochenpendler befriedigen ihre Konsumbedürfnisse vorwiegend am Arbeitsort in den Ballungsräumen. Darunter leidet der lokale Handel, denn Wertschöpfung und die Konsumkraft verringern sich, während die Probleme in den Ballungsräumen größer werden.

Verlust von Freizeit- und Erholungswert

Jeder der sich schon einmal Zeit genommen und einen Wanderurlaub im Fichtelgebirge verbracht hat, wird von den Schönheiten unserer Natur begeistert sein. Ganz gleich ob die imposanten Granitformationen von Waldstein oder Kösseine, egal ob Förmitzspeicher, Weißenstädter See, Fichtelsee, ob Ochsenkopf, Schneeberg, ob Saalequelle oder Weißmainquelle, .... das Fichtelgebirge ist gespickt mit Sehenswürdigkeiten auf engstem, sehr kleinem Raum. Nicht umsonst wurde es früher „das teutsche Paradeiß“ genannt. Grüne Wälder, sanfte Hügel, ruhige Seen, familienfreundliche Rad-, Wander- und Skiwege: das sind die herausragenden Vorzüge des Fichtelgebirges. Die touristische Nutzung dieser Schönheiten wird durch eine neue 4-spurige Straßenverbindung massiv beeinträchtigt.


Übergabe der Resolution

Die B 303 neu ist der ökologische GAU für das Fichtelgebirge

Ökologische Wertigkeit

Das Fichtelgebirge ist ein ökologisch sehr empfindlicher Naturpark. Das wurde durch das Gutachten der Fa. Dorsch Consult und durch Voruntersuchungen zur Projektanmeldung zum Fernstraßenausbaugesetz bestätigt. Eine Vielzahl von geschützten Pflanzen- und Tierarten (z.B. Luchs, Schwarzstorch, Fischotter, Birkhuhn u. a.) wären bedroht durch den Bau einer neuen Straßenverbindung. Daher auch URE von 5 für beide Projekte.

Zerschneidungseffekte

Ein geplanter Regelquerschnitt RQ 26 mit allen Lärmschutz- (4 bis 6 m hohe Wälle und Wände) und Wildschutzmaßnahmen stellt nicht nur eine veritable Barriere für die Tiere dar. So ist bereits heute dokumentiert, dass die A93 wegen der trennenden Wirkung zu einer genetischen Verarmung der Wildpopulation führt. Der Bereich südlich der A72 eingeschlossen von A9 und A93 und nördlich einer eventuellen B 303 neu würde zu einer kleinräumigen Populationsinsel (siehe Anlage 3), die genetisch verarmen würde und dadurch unumkehrbaren Schaden erleidet.

Induzierter Verkehr

Die Anmeldung des Projekts BY7616 zum Bundesverkehrswegeplan geht nach Fertigstellung der neuen Trasse von mehr als 20.000 Fahrzeugen aus. Als Folge steigen Umweltbelastungen, speziell Lärm-, Smog- und Ozonbelastungen in der kleinräumigen, bisher weitestgehend unbelasteten, ökologisch wertvollen Region. Die Bündelung des Verkehrs bedeutet den Eintrag zusätzlicher Schadstoffe in dem sehr empfindlichen Naturpark und Ökosystem Fichtelgebirge.

Inversionswetterlagen führen zu gesundheitlichen Problemen

Verstärkt würde diese Belastung durch eine Besonderheit des zentralen Fichtelgebirges, die häufig auftretenden Inversionswetterlagen. Dabei verhindert die Inversion der Luftschichten das Abfließen der unteren Luftmassen, verbunden mit lang anhaltendem Nebel. (Siehe Anlage 4, Bild 1, Bild 2) Auch Abgase können dann nicht abfließen. Die Schadstoffe einer Autobahn würden insofern zu gravierenden gesundheitlichen Beeinträchtigungen von Flora, Fauna und Bevölkerung führen. So hat das BITÖK der Universität Bayreuth jüngst bei Untersuchungen am Waldstein - der nördlichen Begrenzung des Beckens - festgestellt, dass Nebel einen siebzehn- bis zwanzigfach höheren Schadstoffeintrag im Wald verursacht, als Niederschlag in Form von Regen. Nicht zuletzt aus diesen gesundheitlichen Gründen unterstützen auch viele Mediziner unsere Bürgerinitiative.

Flächenverbrauch

Der Ausbau bestehender Straßen sei dem Bau neuer Straßen vorzuziehen, mit dem Ziel den Flächenverbrauch zu minimieren. Der Umweltminister Bayerns Werner Schnappauf verkündete bei einem Besuch zum Deutschen Wandertag 2002 im Fichtelgebirge, er wolle die umweltfreundlichste Autobahn durchs Fichtelgebirge bauen. Die B 303 neu erreicht genau das Gegenteil der angekündigten Minimierung des Flächenverbrauchs, denn es soll eine Straße in die grüne Wiese gebaggert und geteert werden, für die es keinen Bedarf gibt! Speziell während der Bauphase sind die Umweltbelastungen um ein Vielfaches größer als die, nach unserer Ansicht untragbaren, Umweltbelastungen des normalen Betriebs. Sollten diese Autobahnpläne verwirklicht werden, müssten auch die entsprechenden Anschlüsse und Zubringerstrassen zur neuen Trasse gebaut werden. Ohne einen Rückbau der heute schon in weiten Teilen auf vier Spuren ausgebauten B 303 alt würde sich dieser Flächenverbrauch und Zerschneidungseffekte durch zwei weitgehend parallele Trassen potenzieren.

Terminkalender

Kontakt
Unsere Partner
Seitenzugriffe
26.09.2017, 18:34 Uhr

Nutzungsbedingungen ~ Impressum